Aktivitäten der Biker für Kinder: 1993 |  1994 |  1995 |  1996 |  1997 |  1998 |  1999 |  2000 |  2001 |  2002 |  2003 |  2004 |  2005 |  2006 |  2007 |  2008 |  2009 |  2010 |  2011 |  2012 |  2013

04. Juni 1995 · 3. TOY-RUN, SOS-Kinderdorf Pinkafeld, Bgld.


Erstmals war ein Ziel im Burgenland gewählt worden. Ernstl verteilte im Frühjahr nächtens Flugzettel in parkende Bikes und mit einem Mailing an 400 Motorradfahrer wurde Werbung für die gute Sache gemacht. Eine kleiner Presse-Aussendung an alle Tageszeitungen brachte einen kleinen Hinweis in "Die Presse".

Bei leicht bewölktem Himmel und unsicheren Wetteraussichten, kamen zum Treffpunkt in der Hegelgasse, in Wien Innere-Stadt, eine stattliche Anzahl von wetterfesten Motorradfahrer(innen), um den Kindern Freude zu bereiten. Um 10 Uhr fuhr der Konvoi, eskortiert von Beamten der Polizeidirektion Wien/Motorrad-Abteilung, durchs Wiental, über die Grünbergstraße und weiter auf die Süd-Autobahn bis nach Sebenstein. Von dort ging es, während der Himmel immer grauer und bedrohlicher wurde, in gemütlicher Fahrweise auf der Bundesstraße nach Feistritz am Wechsel, wo man am alten Fernfahrer-Rasthaus "Wanghof" zur Mittagsrast anhielt.

Zum Glück gab es hier eine Pause: just in dem Moment wo sich alle Hungrigen an den Tischen niedergelassen hatten, und das gestreßte Servier-Personal die letzten Bestellungen aufnahm, stürzte der erste Wolkenbruch vom Himmel und es schüttete in Strömen. Gleichzeitig trafen einige Biker-Clubs aus dem Süd-Burgenland, angeführt vom Motorradclub "MAD DOGS" ein, um sich nach dem gemeinsamen Mittagessen dem TOY-RUN-Konvoi anzuschließen.

"Wenn man brav' aufessen tut, auch die Sonne wieder scheint", sagt der Nicht-Biker-Volksmund und alle verhielten sich nach diesem Motto. Es funktionierte ! Wir befürchteten schon alle, daß die Kinder um ihren Tag gebracht werden könnten, doch als die dritte Gruppe (Teilnehmer des jährlichen Biker-Treffens in den Wöllersdorfer Steinbrüchen, NÖ.) am Wanghof eintraf, hellte der Himmel auf und die Straße begann langsam trocken zu werden.

Geleitet von Gendarmerie, welche allzu hektische Autofahrer im Zaum hielt und einige Kreuzungen für unsere Fahrt sperrte, ging es über die alte Wechsel-Bundesstraße weiter. An der Landesgrenze zur Steiermark wurden die Beamten von ihren Kollegen aus dem südlichem Bundesland abgelöst, welche uns ihrerseits bis zum Burgenland brachten. Überhaupt war die Unterstützung durch die Exekutive besonders großartig!

Zwischenzeitlich wurde es unerwartet heiß und die Sonne brannte herab. Vorbei an der wunderschönen Landschaft bewegte sich der Konvoi ins Kinderdorf Pinkafeld wo wir schon sehnlichst von den Kindern erwartet wurden. Bevor wir zum eigentlichen Ziel der TOY-RUN, der Spendenübergabe und dem traditionellen Fahren mit den Kindern (als Sozius) kamen, wurden wir mit der nächsten Herausforderung konfrontiert: 260 Bikes mußten auf den schmalen Gäßchen zwischen den Kinderdorf-Häuser geparkt werden. Dies brauchte seine Zeit!

Das SOS-Kinderdorf Pinkafeld wurde geleitet von Wilfried Murg und beherbergt ca. 70 Kinder in 10 "Familien", welche jeweils ein Haus bewohnen. Darüber hinaus gibt es ca. 12 Lehrlinge. Spätestens bei der Begrüßungsrede durch den Dorf-Leiter und als Ernstl dem Heim, zur Verwendung für die Kinder, den Spendenbetrag von öS 72.000,- überreichte, war der mittägige Regenguß vergessen und der Wettergott meinte es erneut gut mit den Bikern.

Nachdem alle mitgebrachten Spielsachen auf einen vorbereiteten Tisch gelegt wurden, hielt es keiner mehr in der Lederkluft aus, so stechend brannten die Sonnenstrahlen. Auch die Kinder brannten (darauf, daß nach dem Erwachsenen-Gerede, der Fahrspaß beginnen würde) ! Die zuvor angelegte Scheu der Kinder war rasch verflogen als die ersten Motoren zu blubbern begannen! Die Hauptstraße des Dorfes wurde zum "Crusin'-Boulevard"!

Mit den Kindern am Rücksitz, im Beiwagen oder auf dem Trike ging's fast eine Stunde lang, Straße rauf und 'runter, bis die Motoren kochten. Solche Aufregung und die gleichzeitige Hitze und Motorwärme machte durstig und regte den Appetit an. Die Dorfmütter hatten für Groß & Klein kühle Getränke und Hot-Dogs vorbereitet, welche sich alle schmecken ließen. Ernstl wurde später noch einmal ganz heiß und der Angstschweiß stand im auf der Stirn: Heimleiter Murg, wie alle großen Männer in der Seele (Gott sei' Dank!) noch Kind, fragte zaghaft an, ob er wohl auch einmal "Motorrad'l-fahren" dürfe.

Nur er wollte nicht auf den Beifahrersitz - sonder selbst den Gashahn drehen. Das Motto der TOY-RUN heißt: "Kindern Freude bereiten" und so stand Ernstl bange Minuten, um sein Bike zitternd da, als Kinderdorf-Vater Murg seine Maschine durchs Dorf brummen ließ. Wilfried Murg, obgleich seit Jahren nicht mehr aktiv fahrend, bewies den Spruch: "Einmal Biker - immer Biker!" und chauffierte die schwere Harley in einer Art, als täte er dies täglich.

Eine herannahende Gewitterfront mahnte uns zum Aufbruch, nicht bevor noch einige, mit Süßigkeiten geschmückten Motorräder von den Kindern restlos "abgeräumt" wurden. Geplant war, das die Rückfahrt des Konvois bis Wöllersdorf gehe und man dort den TOY-RUN-Tag gemeinsam beim Biker-Fest ausklingen werde.

Wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern, den Kindern des SOS-Kinderdorfes und mit Hilfe der Ortsfeuerwehr und Gendarmerie, die Kreuzungen für uns sperrte, ritten wir in Richtung Steiermark, zur Autobahn. Doch kaum hatte die Toy-Run-Kolonne auf der Heimfahrt die Süd-Autobahn erreicht wurde der Himmel schwarz, ein Gewitter mit Blitz und Hagel begann und sintflutartige Regenfälle brachen los. Gischt schäumte um die Vorderräder, die Sichtweite betrug nur wenige Meter und unter jeder Autobahnbrücke in Richtung Wien suchten völlig durchnäßte Motorradfahrer Zuflucht.

Einige Verwegene ritten bis Wöllersdorf und verbrachten, trotz anhaltenden Regenfällen den Abend im Kreise am Campfeuer. Andere suchten ihr Heil in der direkten Heimfahrt nach Hause. Allen Teilnehmern war, trotz des kalt-feuchten Abschlusses der TOY-RUN, im Herzen warm, mit der Gewißheit, den Alltag von Kindern in Pinkafeld erhellt zu haben.

Zeitungsberichte fanden sich im Anschluß an diese TOY-RUN in: "Biker in Österreich", "OZ - unabh. Wochenzeitung f. d. pannonischen Raum", "Täglich Alles", "Kronen Zeitung, Bgld.", "bvz - Burgenländische Volkszeitung", "Der Maulwurf - grün-alternative Zeitung"

Mit dem Spendenbetrag von öS 72.000,- wurde der Grundstein zum Bau eines Mehrzweck- Spiel- und Sportplatzes im Heim gelegt, welcher am 19. Oktober 1997 feierlich eröffnet wurde. Dazu wurden auch Kinder aus anderen Heimen eingeladen und nach der feierlichen Segnung und den üblichen Reden der Verantwortlichen durften die Kinder mit Spiele-Turnier den Platz einweihen.

Dazu kamen auch die "Oberwarter Gunners", eine Basketballmannschaft, die den Knirpsen auf lustige Art zeigte wie hoch man hinaus kann. Beim gemeinsamen Spiel wuchsen die Kinder über die Riesen von Oberwart hinaus. Biker in Österreich" veröffentlichte einen "Rechenschaftsbericht" über die Verwendung des Spendengeldes.
Happy Moments
Newsticker:
letzte Aktualisierung: 27. Juni 14 · 14:28 Uhr